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Das Unerwartete

„Weil das Unerwartete uns die tiefsten Wunden schlägt und wir mit Allem rechnen müssen, weil das Schicksal vor keinem Wagnis zurückschreckt dürfen wir, sagte Seneca, niemals vergessen, dass eine Katastrophe jederzeit hereinbrechen kann. Niemand sollte eine Autofahrt unternehmen, eine Treppe hinabsteigen oder sich von einem Freund verabschieden ohne sich dessen bewusst zu sein, dass das Schlimmste geschehen kann; ein Wissen, das nach Senecas Willen weder schauerlich noch übertrieben dramatisch zu sein brauchte.“

Wir müssen auf alles gefasst sein und unsere Gedanken nicht etwa bloß auf das richten, was zu geschehen pflegt sondern darauf, was geschehen kann. Was ist der Mensch? Ein schwaches Gefäß, das zu zerbrechen ein bloßes Schütteln und Rütteln genügt. Ein schwächlicher und gebrechlicher Körper, nackt, wie ihn die Natur geschaffen, wehrlos, fremder Hilfe bedürftig, jeder bösen Laune des Schicksals preisgegeben.

(De Botton, Alain: Trost der Philosophie. Hörbuch. Bochum: Eichborn, 2003)

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