Die Motivation für die Durchführung deines Interviews stimmt mich nachdenklich…ich arbeite in der Psychatrie, dort begegne ich ständig Menschen, die die Erwartungen der Gesellschaft nicht erfüllen können, denen Ängste das Leben verbauen, die an der Lieblosigkeit der Welt scheitern, die sich aber auch manchmal für zu wichtig halten, sich nicht unterordenen und ihre Triebe zügeln können.Ich denke dies sind einige Gründe für für die “Gestalten im Nebel”. Bevor ich meine Arbeit in der Psychatrie begonnen habe, haben mich die “Nebelmenschen” und ihre Geschichten ebenfalls fasziniert, ich habe mich beispielsweise gefragt was einem Menschen wiederfahren muss, dass er lieber auf der Straße lebt und von Ort zu Ort zieht, als Hilfe anzunehmen, eine Wohnung und regelmäßig Nahrung zu haben. Klar der Preis der Anpassung (schreckliches Wort) ist hoch.
Ist diese Faszination deine Motiavation???
Durch meine Arbeit musste ich schmerzlich erkennen, das es keine höheren Ideale oder ungewöhlichere Einstellungen zum Leben sind, die diese Menschen in den Schatten stellen sondern einzig und allein das Prinzip: der Schwächere verliert.
Ich bin gespannt zu welcher Erkenntnis du kommst und ob ich vielleicht durch dich noch etwas neues erfahre, vielleicht auch über mich selbst, vielleicht habe ich auch schon aufgegeben nach etwas geheimnisvollem zu suchen um mich selbst zu schützen…und da wären wir wieder bei:der Schwächere (der keine Mauer um sich baut, um sich vor der Ungerechtigkeit der Welt zu schützen) verliert!
Hallo Esther,
ich habe selbst auch Erfahrung mit solchen Menschen und die Faszination, von der Du schreibst, sicherlich irgendwann mal verspürt. Sie ist aber einfachem Interesse gewichen und nicht Motivation für solche Interviews; wenn auch eine gewisse Hinwendung zum Nonkonformen immer vorhanden sein muss, um so etwas zu tun.
Ich weiß auch nicht, ob ich in Zukunft einen Nebelmenschen treffen werde, der seine Situation philosophisch reflektiert und mit einem gewissen Ideal in den Tag geht. Aber darum geht es unter Andereme auch; die Frage, ob man sich derlei Ideale nicht nur leisten kann, wenn das unmittelbare Überleben gut gesichert ist (Wohnung/Beziehungen/Gesundheit/Finanzen).
Die Einschätzung, dass der Schwächere verliert, liegt nahe, machen wir uns keine Illusionen bzgl. der Allgegenwärtigkeit des Leistungsprinzips. Eigentlich kannst Du Milan als lebendiges Beispiel dafür sehen, aber auf den zweiten Blick wird klar, dass es doch etwas komplexer zugeht (was z.B. Beziehungen betrifft etc.).
Sich selbst zu schützen ist vor allem in Deiner Position absolut sinnvoll. Und vielleicht ist die Ablehnung, das Desinteresse, die Stigmatisierung mit der die meisten Leute besagten Menschen begegnen auch eine Art Selbstschutz. Aber andererseits soll so ein Interview auch zeigen, dass es nicht weh tun muss oder mich selbst bedroht, wenn ich hinschaue, zuhöre. Die Frage, die ich mir stellen muss, ist doch: Wenn wir verleugnen, dass es das gibt, was Nebelmenschen repräsentieren, dann verleugnen wir Teile des Lebens und schneiden unseres zu auf den angenehmeren Teil. Legen wir damit nicht den Grundstein für ein ebenfalls anstrengendes Leben, dessen basale Illusion wir unablässig aufrecht erhalten müssen?
Ich kann mir einfach eine andere Intention als Neugier nicht vorstellen, da der Mensch nur Dinge tut, die ihm nützen…du magst dich vielleicht mit diesem Thema beschäftigen und mehr in das Leben der Nebelmenschen eintauchen, du wirst deine Erkenntnisse daraus ziehen, doch eines Tages gehst du trotzdem ohne sie zu beachten an ihnen vorbei…oder du machst einen gemeinnützigen Verein auf und versuchst zu “helfen” aber ganz uneigennützig?oder macht es auch ein gutes Gefühl als Helfer dazustehen, der nicht arrogant und mit Scheuklappen durchs Leben geht wie gewisse mit Pelz bekleidete Damen?
Vielleicht denke ich auch schon zu darwinistisch oder ich habe noch immer nicht richtig verstanden was du erreichen willst…hilf mir auf die sprünge!
Hallo Esther,
wenn Du so willst, “nützen” mir solche Erfahrungen, wie die mit Milan, um meine Weltsicht zu erweitern und um differenziertes Wahrnehmen zu trainieren. Leute, die ohne sie zu beachten an Nebelmenschen vorbeigehen sind ja nicht per se zu verachten, sie verhalten sich eben konform zu dem, was sie über das soziale Leben in unserer Gesellschaft gelernt haben. Ich würde wohl keinen gemeinnützigen Verein eröffnen – aus solchen Interviews spricht für mich nicht der Wunsch, jemandem zu helfen; was wohl auch mit der einfachen Frage danach, wie das Leben ist, kaum möglich sein wird. Ich muss mit diesem Blog nichts “erreichen”, aber vielleicht wird ja für LeserInnen erkenntlich, dass vorurteilsfernes Handeln garnicht so schwierig ist, wie wir offenbar unbewusst oft annehmen.
Hallo Leute! Hey, Spitzenidee das mit dem Blog! Esthers Beiträge fand ich auch sehr interessant. Auf jeden Fall denke ich, dass es stimmt, dass Neugier und die Befriedigung etwas “Gutes” zu tun und damit vor sich selbst u.a. zu glänzen wichtige Motivatoren für die Auseinandersetzung mit Menschen aus dem Subproletariat o.ä. Zusammenhängen, wie du sagst “Nebelmenschen” (literarisch sehr schön, übrigens) sind. Mich fasziniert ihre Lebenserfahung und ihr zumeist recht distanzierte und abgebrühte Sicht auf alles. Sie sind nicht nur zu bemitleiden. Sie haben auch die Möglichkeit sich intensiv mit dem Wesentlichen, dem Existentiellen auseinander zu setzen. Ich denke, dass Leben auf der Straße kann wirklich weise machen,aber Resignation und Elend gehen leider meistens Hand in Hand, weshalb sie sich selbst vermutlich auch eher als Opfer denn als frei oder “reich” im Sinne von Erfahrung wahrnehmen. Verstärkt wird diese Selbstwahrnehmung natürlich durch die gesellschaftliche Stigmation, die wahrscheinlich auch besonders schwerwiegend in durchkapitalisierten Zivilisationen wie der unseren auftritt. Geld dient ja neben existentieller Versorgung vor allem der Sicherung des gesellschaftlichen Status. Was du hast, das bist du. Geld ermöglicht ja auch Attraktivität. Und ähnlich wie im Tierreich beachten die Menschen zuerst das Schöne, Angenehme. Armut erscheint unangenehm. Man muss sich überwinden, sie zu betrachten. Es wirkt auch nicht gerade einnehmend, wenn jd. erzählt, dass er Hep.C oder HIV hat. Ich musste mir öfter sagen lassen, dass ich mit Menschen befreundet bin, deren ges. Status nicht so hoch ist wie meiner, um neben ihnen zu glänzen. Fakt ist, dass ich mit diesen Menschen gerne ein wenig Zeit verbringe, mich mit ihnen (gepflegt be -)trinke, rede und Musik höre.Ich bin auch an ihren Leben interessiert. Es freut mich zu sehen, wenn X Fortschritte macht und ich weiß, dass es Y gut tut, wenn er sich bei mir ausheulen kann. Es tut mir leid für sie, dass sie manchmal recht abschreckend wirken, aber ich weiss auch, dass es gute Menschen sind, auf die man sich im Notfall echt verlassen kann. Gute Freunde kann man auch unter “Nebelmenschen” haben. Ich finde es wichtig zu wissen, was in der Stadt, in der ich lebe vor sich geht und möchte gerne Bekanntschaften auf allen Gesellschaftsebenen haben. Wenn ich ehrlich bin, sind mir die Reichen aber genauso suspekt wie die Armen. Ich finde es ein wenig unheimlich, wenn Leute Hausdiener haben. Aber das nur so am Rande…Ciao, Sören
Die Motivation für die Durchführung deines Interviews stimmt mich nachdenklich…ich arbeite in der Psychatrie, dort begegne ich ständig Menschen, die die Erwartungen der Gesellschaft nicht erfüllen können, denen Ängste das Leben verbauen, die an der Lieblosigkeit der Welt scheitern, die sich aber auch manchmal für zu wichtig halten, sich nicht unterordenen und ihre Triebe zügeln können.Ich denke dies sind einige Gründe für für die “Gestalten im Nebel”. Bevor ich meine Arbeit in der Psychatrie begonnen habe, haben mich die “Nebelmenschen” und ihre Geschichten ebenfalls fasziniert, ich habe mich beispielsweise gefragt was einem Menschen wiederfahren muss, dass er lieber auf der Straße lebt und von Ort zu Ort zieht, als Hilfe anzunehmen, eine Wohnung und regelmäßig Nahrung zu haben. Klar der Preis der Anpassung (schreckliches Wort) ist hoch.
Ist diese Faszination deine Motiavation???
Durch meine Arbeit musste ich schmerzlich erkennen, das es keine höheren Ideale oder ungewöhlichere Einstellungen zum Leben sind, die diese Menschen in den Schatten stellen sondern einzig und allein das Prinzip: der Schwächere verliert.
Ich bin gespannt zu welcher Erkenntnis du kommst und ob ich vielleicht durch dich noch etwas neues erfahre, vielleicht auch über mich selbst, vielleicht habe ich auch schon aufgegeben nach etwas geheimnisvollem zu suchen um mich selbst zu schützen…und da wären wir wieder bei:der Schwächere (der keine Mauer um sich baut, um sich vor der Ungerechtigkeit der Welt zu schützen) verliert!
Hallo Esther,
ich habe selbst auch Erfahrung mit solchen Menschen und die Faszination, von der Du schreibst, sicherlich irgendwann mal verspürt. Sie ist aber einfachem Interesse gewichen und nicht Motivation für solche Interviews; wenn auch eine gewisse Hinwendung zum Nonkonformen immer vorhanden sein muss, um so etwas zu tun.
Ich weiß auch nicht, ob ich in Zukunft einen Nebelmenschen treffen werde, der seine Situation philosophisch reflektiert und mit einem gewissen Ideal in den Tag geht. Aber darum geht es unter Andereme auch; die Frage, ob man sich derlei Ideale nicht nur leisten kann, wenn das unmittelbare Überleben gut gesichert ist (Wohnung/Beziehungen/Gesundheit/Finanzen).
Die Einschätzung, dass der Schwächere verliert, liegt nahe, machen wir uns keine Illusionen bzgl. der Allgegenwärtigkeit des Leistungsprinzips. Eigentlich kannst Du Milan als lebendiges Beispiel dafür sehen, aber auf den zweiten Blick wird klar, dass es doch etwas komplexer zugeht (was z.B. Beziehungen betrifft etc.).
Sich selbst zu schützen ist vor allem in Deiner Position absolut sinnvoll. Und vielleicht ist die Ablehnung, das Desinteresse, die Stigmatisierung mit der die meisten Leute besagten Menschen begegnen auch eine Art Selbstschutz. Aber andererseits soll so ein Interview auch zeigen, dass es nicht weh tun muss oder mich selbst bedroht, wenn ich hinschaue, zuhöre. Die Frage, die ich mir stellen muss, ist doch: Wenn wir verleugnen, dass es das gibt, was Nebelmenschen repräsentieren, dann verleugnen wir Teile des Lebens und schneiden unseres zu auf den angenehmeren Teil. Legen wir damit nicht den Grundstein für ein ebenfalls anstrengendes Leben, dessen basale Illusion wir unablässig aufrecht erhalten müssen?
Danke fürs Lesen!
Ich kann mir einfach eine andere Intention als Neugier nicht vorstellen, da der Mensch nur Dinge tut, die ihm nützen…du magst dich vielleicht mit diesem Thema beschäftigen und mehr in das Leben der Nebelmenschen eintauchen, du wirst deine Erkenntnisse daraus ziehen, doch eines Tages gehst du trotzdem ohne sie zu beachten an ihnen vorbei…oder du machst einen gemeinnützigen Verein auf und versuchst zu “helfen” aber ganz uneigennützig?oder macht es auch ein gutes Gefühl als Helfer dazustehen, der nicht arrogant und mit Scheuklappen durchs Leben geht wie gewisse mit Pelz bekleidete Damen?
Vielleicht denke ich auch schon zu darwinistisch oder ich habe noch immer nicht richtig verstanden was du erreichen willst…hilf mir auf die sprünge!
Hallo Esther,
wenn Du so willst, “nützen” mir solche Erfahrungen, wie die mit Milan, um meine Weltsicht zu erweitern und um differenziertes Wahrnehmen zu trainieren. Leute, die ohne sie zu beachten an Nebelmenschen vorbeigehen sind ja nicht per se zu verachten, sie verhalten sich eben konform zu dem, was sie über das soziale Leben in unserer Gesellschaft gelernt haben. Ich würde wohl keinen gemeinnützigen Verein eröffnen – aus solchen Interviews spricht für mich nicht der Wunsch, jemandem zu helfen; was wohl auch mit der einfachen Frage danach, wie das Leben ist, kaum möglich sein wird. Ich muss mit diesem Blog nichts “erreichen”, aber vielleicht wird ja für LeserInnen erkenntlich, dass vorurteilsfernes Handeln garnicht so schwierig ist, wie wir offenbar unbewusst oft annehmen.
Hallo Leute! Hey, Spitzenidee das mit dem Blog! Esthers Beiträge fand ich auch sehr interessant. Auf jeden Fall denke ich, dass es stimmt, dass Neugier und die Befriedigung etwas “Gutes” zu tun und damit vor sich selbst u.a. zu glänzen wichtige Motivatoren für die Auseinandersetzung mit Menschen aus dem Subproletariat o.ä. Zusammenhängen, wie du sagst “Nebelmenschen” (literarisch sehr schön, übrigens) sind. Mich fasziniert ihre Lebenserfahung und ihr zumeist recht distanzierte und abgebrühte Sicht auf alles. Sie sind nicht nur zu bemitleiden. Sie haben auch die Möglichkeit sich intensiv mit dem Wesentlichen, dem Existentiellen auseinander zu setzen. Ich denke, dass Leben auf der Straße kann wirklich weise machen,aber Resignation und Elend gehen leider meistens Hand in Hand, weshalb sie sich selbst vermutlich auch eher als Opfer denn als frei oder “reich” im Sinne von Erfahrung wahrnehmen. Verstärkt wird diese Selbstwahrnehmung natürlich durch die gesellschaftliche Stigmation, die wahrscheinlich auch besonders schwerwiegend in durchkapitalisierten Zivilisationen wie der unseren auftritt. Geld dient ja neben existentieller Versorgung vor allem der Sicherung des gesellschaftlichen Status. Was du hast, das bist du. Geld ermöglicht ja auch Attraktivität. Und ähnlich wie im Tierreich beachten die Menschen zuerst das Schöne, Angenehme. Armut erscheint unangenehm. Man muss sich überwinden, sie zu betrachten. Es wirkt auch nicht gerade einnehmend, wenn jd. erzählt, dass er Hep.C oder HIV hat. Ich musste mir öfter sagen lassen, dass ich mit Menschen befreundet bin, deren ges. Status nicht so hoch ist wie meiner, um neben ihnen zu glänzen. Fakt ist, dass ich mit diesen Menschen gerne ein wenig Zeit verbringe, mich mit ihnen (gepflegt be -)trinke, rede und Musik höre.Ich bin auch an ihren Leben interessiert. Es freut mich zu sehen, wenn X Fortschritte macht und ich weiß, dass es Y gut tut, wenn er sich bei mir ausheulen kann. Es tut mir leid für sie, dass sie manchmal recht abschreckend wirken, aber ich weiss auch, dass es gute Menschen sind, auf die man sich im Notfall echt verlassen kann. Gute Freunde kann man auch unter “Nebelmenschen” haben. Ich finde es wichtig zu wissen, was in der Stadt, in der ich lebe vor sich geht und möchte gerne Bekanntschaften auf allen Gesellschaftsebenen haben. Wenn ich ehrlich bin, sind mir die Reichen aber genauso suspekt wie die Armen. Ich finde es ein wenig unheimlich, wenn Leute Hausdiener haben. Aber das nur so am Rande…Ciao, Sören